Vergebung!

Vergebung! Verzeihen! Gnade walten lassen!

Was für Worte, welche Kraft. Die Fähigkeit vergeben zu können ist eine der schwersten, aber auch der dankbarsten Fähigkeiten. Wenn wir lernen zu vergeben, erfahren wir Größe, Macht und Freiheit.

Aus Vergebung entstehen neue Chancen und neue Möglichkeiten! Aber Vergebung ist etwas, dass ganz und gar geschehen muss.

Bald ist Ostern und damit das größte christliche Fest im Zusammenhang mit Vergebung der Sünden. Zeit, also mal über dieses Thema nachzudenken. Vergebung ist das Überthema meiner Fastenzeit 2017. Ich freue mich richtig darauf ab Aschermittwoch diese Zeit der Ruhe und des Nachdenkens darauf zu verwenden und mich neben dem Thema der Achtsamkeit ganz und gar auf „Vergebung“ zu konzentrieren.

Vergebung kann die Vergangenheit nicht verändern,

aber Vergebung kann die Zukunft verändern.

Zitat von: Elizabeth Keen (Megan Boone) aus “The Blacklist”

Vergeben ist vielschichtig. Wer nicht vergeben kann, der steckt voller Zorn, Leid und Schmerz. Man kann anderen Menschen vergeben, sich selbst, und auch mit der Vergangenheit abschließen.

Wer jetzt aber denkt, dass das Vergeben einfach ein christliche Tugend ist und gute Christen einfach alles und jedem vergeben sollen, der hat sich grundlegend geirrt! Vergebung ist kein Akt der Schwäche, kein -sich aus der Affäre ziehen- oder -einfaches Entkommen vor Konflikten. Um Vergebung zu schenken, muss man stark sein!

Vergebung heißt nicht Vertrauen! Nur weil ich einer anderen Person etwas vergebe, heißt das noch lange nicht, dass das Vertrauen auch wieder da ist.

Damit sind wir schon bei Punkt 1 der Gedanken angekommen:

  1. Wie wir anderen Vergebung schenken!

Anderen Menschen zu vergeben ist kein Akt, der von uns jederzeit ausgehen kann. In der Apostelgeschichte Kapitel 5, Vers 30f. lesen wir:

30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ermordet habt, indem ihr ihn ans Holz hängtet.
31 Diesen hat Gott durch seine Rechte zum Führer und Retter erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.
Wir können feststellen, das Gott Buße und Vergebung untrennbar miteinander verbunden hat. Vergebung kann also nur geschehen, wenn Buße getan wurde. Man kann das Böse nicht dadurch bestärken, indem man es immer und immer wieder verzeiht. Wenn der Sünder seine Fehler nicht einsieht – oder schlimmer noch – sich rechtfertigt und immer weiter ausufern lässt, so kann dies nicht verziehen werden! Wenn man das aufrichtige Bereuen als Voraussetzung für ehrliche Vergebung ausblendet, so kommt es zu einer Trennung von Buße und Vergebung und das kann nicht gehen. Denn so wird der Sünder seine Taten leicht nehmen, immer weiter fortführen und sogar noch angestachelt. Er kann sich nehmen, was er möchte, wie er es möchte und arglistig, denn er weiß, er hat einen Platz bei jemandem, der ihm alles vergibt, ohne das des Sünders Herz auch nur bewegt ist.
Ich möchte das einmal an verschiedenen Beispielen darlegen:
a) In einer Ehe kann man diese Ansätze gut beobachten. Macht ein Ehepartner einen Fehler und bereut ihn aufrichtig, so ist es am anderen Ehepartner diesen ebenso aufrichtig zu verzeihen und gemeinsam die Probleme hinter sich zu lassen. Wird der Fehltritt aber nicht bereut, so kann keine Vergebung erfolgen und die Ehe geht in die Brüche. Wird doch Vergebung ohne Buße gewährt, ist das ein Freifahrtsschein den gleichen Fehler wieder und wieder zu tun.
b) In der Familie ist dieser Ansatz besonders wichtig! Eine Familie ist durch Geburt miteinander verbunden. Man sollte bereit sein füreinander einzustehen und aneinander zu wachsen. Eine Familie kann einen herausfordern und fördern aber auch im gleichen Maße zu Grunde richten! Wenn man immer wieder innerhalb der Familie verzeiht, weil es ja eben die Mutter, der Vater, die Schwester, der Bruder, der Sohn, die Tochter usw. ist, befindet man sich in einem Teufelskreis. Der Sünder geht davon aus, dass es egal ist welche Abwege er auch beschreitet, welche Lügen er auch verbreitet – ja – das egal was er auch macht, er mit offenen Armen wieder aufgenommen wird und überdies alle tollerieren, wenn weiter belogen und betrogen wird. Nur weil wir mit jemandem verwandt sind, heißt das nicht, das wir unendlich Opfer verlangen oder erbringen müssen.
Jeder Mensch hat seinen Wert. Jeder Mensch hat ein Recht darauf fair behandelt zu werden. Wenn man lügt und Menschen seelisch oder körperlich verletzt, dann muss man diese Sünde einsehen, eingestehen und bereuen, um dann aufrichtig um Vergebung bitten und diese dann auch Erfahren zu können. Nur die Verwandtschaft alleine, ohne die Buße, darf kein Garant für die Vergebung sein. Der Sünder ändert sich dann nie.
Dabei muss man auch Bedenken, dass manche ihre Fehler gar nicht sehen. Wenn man als erwachsener Mensch beispielsweise unter Vergangenem leidet, Dinge, die einem aus der Kindheit nachhängen, Wunden, die noch offen sind, so soll man darüber sprechen. Dem Menschen gegenüber seine Trauer ausdrücken, der diese verursacht hat.
Vergebung und Loslassen ist möglich, aber die Buße kommt zuerst.
Dabei ist eben der Faktor „Zeit“ wichtig. Derjenige der Vergebung schenken möchte, sollte auch Zeit zur Buße geben.
2. Wie wir uns selbst Vergebung schenken!
Während die Vergebung gegenüber anderen Menschen oftmals eine klare Aussprache nötig hat, kann die Vergebung uns selbst gegenüber einer leiser Prozess sein. In den nächsten Tagen werde ich immer wieder Bücher und Impulse für diesen Leitgedanken vorstellen.
Wenn wir uns dazu entschließen uns selbst zu vergeben, ist dies ein überaus wichtiger Schritt. Ein guter Zeitpunkt dazu ist übrigens die Fastenzeit, oder wenn man in Erwartung eines Kindes ist, ob Vater oder Mutter. Dann ist es oft hilfreich mit sich selbst Frieden zu schließen.
Das sind jetzt natürlich nur grobe Abrisse, aber in den nächsten Wochen werde ich euch mit in die Fastenzeit nehmen und euch einige Impulse zu eurem persönlichen Frühjahrsputz nehmen. Denn es ist auch eine Anleitung dazu mit Beziehungen aufzuräumen. Auszuloten, was im Leben wirklich wichtig ist und welche Beziehungen wirklich zählen und erhaltenswert sind.
Warum dieses Thema so wichtig für mich ist? Ich persönlich bin ein Mensch, wie ich ihn oben kurz angedeutet habe: jemand der immer jeden versteht, der es versteht, wenn ich irgendwie hintendran stehe oder sogar hinten runter falle. Ich hänge an Beziehungen und suche den Fehler immer zuerst bei mir. Ich verzeihe unheimlich schnell und lasse mich dabei oft belügen. Ich bin nicht nachtragend und immer verständnisvoll.
Vor einem Jahr sagte mir mein bester Freund unverblümt ins Gesicht:“ Du lässt dich immer verarschen!“ Keine schöne Ausdrucksweise, aber das traf den Nagel auf den Kopf. Hatte mich jemand verletzt, mir wehgetan oder mich belogen und es kam zur Sprache hörte ich mir stundenlang fadenscheinige Ausreden an und war dann doch wieder für jeden da und half. Es war immer das Selbe.
Das Thema kam zur Sprache, als ich merkte wie mein Freund einen Schlußstrich nach dem anderen zog und ich erschüttert reagierte. Ich war enttäuscht, warf ihm vor vorschnell zu urteilen und aufbrausend zu sein und versuchte ihm meine Art des „nicht nachtragend sein und auf die guten Seiten zu schauen“ näher zu bringen. Ich fragte ihn, ob er bei meinen Fehlern dann auch mal so nachtragend sein würde? Die Antwort war ein langer Blick und ein bestimmtes „Nein!“ Denn so lange dir etwas an der Person liegt, die du verletzt hast, so lange bereust du es aufrichtig, wenn du diese Person verletzt.
Ich habe seitdem mit unserem Pfarrer oft dieses Thema der Vergebung diskutiert und die Grundlage ist und bleibt:
Was Gott der Herr zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen und das gilt auch für Buße und Vergebung, die uns Gott aus der Hand Jesu Christi als Einheit übersandt hat.
In diesem Sinne
einen schönen Abend
Christine

 

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